30 Dec 2011
Die Kohltourhauptstadt Oldenburg gilt als die Wiege der Kohltour in ihrer heutigen Form: In geselliger Runde ziehen fröhliche Menschen mit dem Bollerwagen boßelnd durch die Kälte. Dass es dabei zugehe wie bei einem Kindergeburtstag, ist keine üble Nachrede.
Es ist eine simple Tatsache, denn Boßeln ist nicht das einzige Spiel, das zu einer Kohltour gehört. Beliebt sind Kindergeburtstags-Klassiker wie Eierlauf oder Sackhüpfen, gerne werden auch sonderbare Wurf-Wettbewerbe ausgetragen. Hierbei geht es stets darum, eine festgesetzte Strecke mit möglichst wenigen Würfen zu überwinden. Womit, das ist Geschmackssache: Hier fliegen Besen, da Gummistiefel und dort Teebeutel übers platte Land.
Solche Spiele sind oft Teil einer ausgefeilten Kohltour-Dramaturgie. Denn hauptsächlich geht es unterwegs zwar ums Boßeln, bei dem eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine vorher festgesetzte Strecke geworfen, gerollt oder gekullert werden muss. Aber so einfach das auch klingt, kann es dennoch auch im friedlichsten Menschen einen ungeahnten Ehrgeiz wecken.
Ob die Erfinder der Kohltour das auch schon so gehalten haben, ist im Detail nicht überliefert. Sicher ist aber: Die Mitglieder des Oldenburger Turnerbunds begannen kurz nach dessen Gründung 1859 die Tradition, an einem Wochenende im Winter einen Bollerwagen mit Wegzehrung zu beladen und boßelnd vor die Stadt zu ziehen. Um schließlich, genau wie die Kohlfahrer heute, in einer gemütlichen Gaststätte einzukehren und Grünkohl mit Pinkelwurst zu schmausen. Gerne mit einem kräftigen Schluck dazu. Und gerne auch mit Musik und Tanz hinterher.
Wie aus alledem schließlich das Kernstück politischer Lobby-Arbeit Oldenburgs in Berlin wurde, darüber ließe sich trefflich spekulieren. Seit 1956 lädt die Kulturhauptstadt in der Bundeshauptstadt alljährlich zum 'Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten", und die politische Prominenz nimmt gerne teil. Mehr noch: Jedes Jahr findet sich ein Spitzenpolitiker, der sich zum Oldenburger Kohlkönig küren lässt, 2011 amtierte Dr. Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.
Für Gäste bietet man in der Kohltourhauptstadt Hotelpauschalen an, die unter der Überschrift 'Grünkohl-Akademie" auch eine solche Kohltour enthalten. Tatsächlich lässt sich im Rahmen dieser Akademie auf sehr unterhaltsame Weise eine Menge lernen über Kohl und dessen Anbau sowie über die Geschichte der Kohltour.
Ein virtueller Treffpunkt für Grünkohlfans ist die Internetseite www.kohltourhauptstadt.de. Hier laufen die Social-Media-Kanäle von Facebook über Twitter bis hin zu Google+ zusammen. Die dominierende Farbe ist Grün schmückt auch viele Fanartikel, die man sich online bestellen kann. Die Kohltourhauptstadt-Kochschürze für drüber oder die Boxershort 'Oldenburger Palme" für drunter und auch sonst alles, was das Kohltouristenherz begehrt ist erhältlich: Fahrradklingeln, Pinnchen,
T-Shirts, Frühstücksbrettchen, Kühlschrank-Magnete, Tassen und Schlüsselanhänger für Kohlköniginnen oder Kohlkönige sowie viele weitere nützliche und originelle Dinge, mit denen man sich beispielsweise für eine Kohltour ausstatten kann. Und hier gibt es den 'Kohltourfinder" - ein interaktives Werkzeug auf Landkarten-Basis, mit dessen Hilfe sich Kohlfahrer austauschen können über ihre Lieblings-Kohltourstrecken. Diese müssen in besonderer Weise geeignet sein für den norddeutschen Wintersport, das "Boßeln".