23 May 2011
Spatenstich mit Kulturstaatsminister Neumann, Wirtschaftssenator
Günthner und Stadtverordnetenvorsteher Beneken
Bremerhaven, 15. April 2011 – Mit einer Zeremonie feierte heute das Deutsche
Auswandererhaus in Bremerhaven den Baubeginn seines Erweiterungsgebäudes.
Am historischen Neuen Hafen kamen Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Bremens
Senator für Wirtschaft und Häfen Martin Günthner und Bremerhavens
Stadtverordnetenvorsteher Artur Beneken zusammen, um den Spatenstich feierlich
zu begehen. Im Frühjahr 2012 soll der erweiterte Museumsrundgang eröffnet
werden. Dann wird es sechs neue Ausstellungsräume im Erweiterungsbau sowie
drei umgestaltete Stationen im Rundgang des Hauptgebäudes geben. Die
bestehende Hauptausstellung bleibt während der gesamten Zeit für die
Besucher geöffnet.
Die Gesamtkosten für den Erweiterungsbau sowie den teilweisen Umbau
des bisherigen Gebäudes belaufen sich auf insgesamt 4,5 Millionen Euro.
Jeweils zwei Millionen Euro finanzieren der Beauftragte der Bundesregierung
für Kultur und Medien sowie das Land Bremen mit Unterstützung des europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE); mit 500.000 Euro beteiligt
sich die private Betreibergesellschaft des Museums „Paysage House 1 –
Gesellschaft für Kultur und Freizeit mbH & Co. KG“. Die Seestadt Bremerhaven
mit der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen
mbH & Co. KG (BEAN) stellt dem Deutschen Auswandererhaus das Grundstück
neben dem bestehenden Hauptgebäude in den Havenwelten zur
Verfügung.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte in Bremerhaven: „Das Deutsche
Auswandererhaus ist ein in Deutschland einmaliges Themenmuseum von
nationaler und internationaler Bedeutung. Denn es ist die museale Einrichtung
in Deutschland, die das gesellschaftlich relevante Thema der Migration
entsprechend seiner kulturellen Bedeutung vermittelt. Die Besucher werden
anschaulich und emotional anhand individueller Lebensschicksale auf eine
Zeitreise in die Migrationsgeschichte entführt. Das Deutsche Auswandererhaus
verdeutlicht: Migration und Integration gehören zusammen. Sie sind
zentrale gesellschaftliche und politische Zukunftsthemen.”
Wirtschaftssenator Martin Günthner: „Das Auswandererhaus hat sich als
touristischer Magnet in den Havenwelten etabliert und weit über die Stadtgrenzen
hinweg auf die historische Rolle der Seestadt aufmerksam gemacht.
Die Erweiterung ist die logische Konsequenz erfolgreicher Arbeit und
fester Bestandteil des landesweiten Tourismuskonzeptes. Nur wer weiter
denkt bleibt vorne mit dabei und kann dauerhaft die hohen Besucherzahlen
verfestigen. Mit der Erweiterung um das Thema Einwanderung wird auch
ein in Deutschland hochsensibel diskutiertes Thema aufbereitet. Für eine
sachliche und zeitgemäße Diskussion kann dies nur positiv sein.“
Auch für Bremerhavens Stadtverordnetenvorsteher Artur Beneken ist das
Deutsche Auswandererhaus ein kultureller Leuchtturm: „Die Geschichte der
Migration, die unmittelbar mit Bremerhaven verknüpft ist, wird sehr authentisch
im Deutschen Auswandererhaus dargestellt. Deshalb ist dieses Museum
ein wichtiger Baustein für einen anspruchsvollen Tourismus, wie ihn
Bremerhaven mit den Havenwelten geschaffen hat.“
Seit der Eröffnung des Museums im August 2005 haben mehr als 1,2 Millionen
Menschen das Deutsche Auswandererhaus besucht. In der bisherigen
Ausstellung stand Deutschland als Auswanderungsland im Mittelpunkt. Die
Gäste begleiten auf ihrem Rundgang die Lebensgeschichten realer Auswanderer,
die über Bremerhaven in die Neue Welt gereist sind.
Im Erweiterungsbau, den die Museumsbesucher über eine neun Meter
lange gläserne Brücke erreichen, wird ein Perspektivwechsel vollzogen. Der
historische Rundgang führt dann zurück in die Gegenwart. Es werden dort
auch Einwandererbiografien gezeigt, deren Lebenswege in den letzten 300
Jahren nach Deutschland führten. „So erhalten unsere Besucher die Möglichkeit,
die Chancen und Risiken von Migration im Gestern und Heute zu
vergleichen. Am Ende stehen Familien und Einzelpersonen beim Museumsrundgang
im Mittelpunkt: Sie bilden die kleinsten Gemeinschaften in unserer
Gesellschaft – prägende Pro- und Contra-Meinungen zum Thema Integration
entstehen am häufigsten dort”, erläutert Dr. Simone Eick, Direktorin
des Deutschen Auswandererhauses, das erweiterte Ausstellungskonzept.
Mit Blick auf die Gestaltung sagt Andraes Heller, der für die Architektur und
Konzipierung beider Gebäude verantwortlich zeichnet: „Wir haben uns ganz
bewusst beim Erweiterungsbau für eine klare am Hauptgebäude angelehnte
Formensprache entschieden. So symbolisieren die Materialien Sichtbeton
und Holz gleich bleibende Charakteristika von Auswanderung, Flucht und
Vertreibung: die Härte des Unwiderruflichen, des Fremdseins und das Weiche
der eigenen Verletzlichkeit.”
Das Deutsche Auswandererhaus, 2007 mit dem renommierten Europäischen
Museumspreis EMYA ausgezeichnet, sammelt vor allem Lebensgeschichten
und Erinnerungsobjekte von Migranten. Das Sammlungs- und
Forschungskonzept wird nun wie das Ausstellungskonzept erweitert um die
Biografie- und Mentalitätsgeschichte von Einwanderern nach Deutschland.
Noch stärker als bisher wird künftig eine vergleichende Forschung von historischer
und aktueller Migration stattfinden, um deren prozesshaften und
transnationalen Charakter untersuchen und vermitteln zu können.
Das Deutsche Auswandererhaus – konzipiert und gestaltet vom Hamburger
Planungsbüro Andreas Heller Architects & Designers – ist ein Private Public
Partnership-Projekt, das aus den Mitteln des Landes Bremen und der Stadt
Bremerhaven realisiert wurde und seitdem von der privaten Betreibergesellschaft
„Paysage House 1 – Gesellschaft für Kultur und Freizeit mbH & Co.KG“ betrieben
wird. Es erhält für den laufenden Betrieb keine staatliche
Subventionen und ist in dieser Konstellation einzigartig in der deutschen
Museumslandschaft.
Mehr im Internet unter:
www.dah-bremerhaven.de