04 Feb 2023
Auf den Spuren der Koorie in Melbourne und Umgebung

Visit Victoria

Auf den Spuren der Koorie in Melbourne und Umgebung

In Südostaustralien nennen sich die Ureinwohner Australiens Koorie, zu ihnen gehören wiederrum zahlreiche Stämme mit eigenen Sprachen und Traditionen. Einen guten ersten Einblick in die Kultur bietet die preisgekrönte First People-Ausstellung des Melbourne Museums und ein Spaziergang mit einem Aborigine-Führer durch die Royal Botanic Gardens. Der Koorie Heritage Trust wurde zur Bewahrung der Traditionen ins Leben gerufen und veranstaltet regelmäßige Treffen. Wer die traditionelle Küche der Ureinwohner probieren möchte, ist in der Charcoal Lane richtig. Die bekanntesten Stätten außerhalb Melbournes finden sich im Tower Hill Naturreservat an der Great Ocean Road und im Grampians Nationalpark.

Preisgekrönte Ausstellung lässt Geschichte der Ureinwohner lebendig werden

Bunjilaka heißt die Abteilung des Melbourne Museums, die sich mit Geschichte und Gegenwart der Aborigines und im speziellen mit der der Koorie auseinandersetzt. Herzstück ist die preisgekrönte First People Ausstellung mit aufwendiger Multimedia-Technik und Mitmach- Elementen. Hier wird die Geschichte und Kultur der Aborigines für den Besucher lebendig.

Koorie Hertitage Trust

Der Koorie Heritage Trust bietet unter anderem von Aborigines geführte Touren an, bei denen Teilnehmer mit den wichtigsten Koorie-Stätten Melbournes vertraut gemacht werden. Die Tour beginnt in den Flagstaff Gardens, dem höchsten Hügel im Central Business District von Melbourne. Dieser Bereich wurde früher von den hiesigen Aborigines Brejerrenewyn genannt und ist von kultureller Bedeutung. Von hier geht es dann bis zur Stiftung mit ihrer Ausstellung, wo man eine Einführung in die Koorie-Kultur erhält. Im Yarra-Park sieht man „Narben-Bäume“. Die frühen Aborigines schnitten die Rinde von Eukalyptusbäumen, um daraus Kanus herzustellen. Die Baumnarben gehören zu den am leichtesten zu findenden Spuren der Ureinwohner. In den Parks entlang des Yarra Rivers in Birrarung Marr befassen sich Installationen mit verschiedenen Aspekten der Aborigine-Geschichte Victorias.

Aboriginie-Kunsthandwerk auf dem Koorie Night Market

Die Koorie Night Markets sind eine tolle Möglichkeit, das Kunsthandwerk der Ureinwohner Australiens kennenzulernen und sogar mit nach Hause zu nehmen: Ursprünglich im Jahr 2000 in Melbourne gestartet, zieht der Markt von Frühling bis Herbst durch ganz Victoria. Er startet jeweils nachmittags und geht bis in den Abend. Traditionelle Handwerkstechniken wie Schilder- Schnitzen oder Korbmachen erleben zurzeit ein echtes Revival. Besonders typisch für diesen Teil Australiens ist auch die Herstellung von Mänteln aus Possumfell.

Royal Botanic Gardens: Rauch-Zeremonien im Reich der Boonwurrung

Im Herzen Melbournes liegen die Royal Botanic Gardens auf einem Areal, das früher den Boonwurrung- und Woiwurrung-Völkern als Lager- und Versammlungsort diente. Heute kann man hier an einem der interessantesten Stadtrundgänge der Metropole teilnehmen. Hiesige Aborigine-Führer nehmen Besucher mit auf eine Reise, die die Aspekte Spiritualität, Zugehörigkeit und Land beinhaltet. Die preisgekrönte Tour stellt die Geschichten und Kultur der Ureinwohner vor. Interessierte lernen unter anderem mehr zu Pflanzen, traditionellen Gerichten und Arzneien, Werkzeugen und Rauchzeremonien. An letzeren können sie auch teilnehmen. Die Royal Botanic Gardens beheimaten auf rund 38 Hektar 50.000 Pflanzenarten aus aller Welt.

Indigen speisen im Charcoal Lane

Um einen Eindruck von Aborigine-Speisen zu bekommen, sollten Feinschmecker das Charcoal Lane im Zentrum des Melbourner Stadtteils Fitzroy besuchen. Das Charcoal Lane kreiert Speisen mit Achtung vor dem Land und der Umwelt. Generell gibt es nur wenige Lokale, in denen indigene Zutaten hervorgehoben werden. Außerdem engagieren sich die Restaurant-Betreiber sozial, indem sie junge Aborigines im Gastgewerbe ausbilden. Sie pflegen eine enge Beziehung zur hiesigen Koorie-Gemeinde.

Geführte Stadttour mit geballter Koorie-Tradition

Mehrere dieser Stationen vereint die Aboriginal Melbourne Tour des lokalen Reiseveranstalters  Oceania Tours & Safaris. Die rund sechsstündige Tour startet in den Royal Botanic Gardens. Der Guide erläutert die traditionelle Rauch-Zeremonie und veranschaulicht, wie Pflanzen als Nahrung, Werkzeuge und Medizin genutzt wurden. Beim Mittagessen im Stadtteil Fitzroy erfahren die Teilnehmer am eigenen Leib, wie die Zutaten schmecken, riechen und sich anfühlen. Das sozialgeförderte Restaurant Charcoal Lane ist erste Adresse der Stadt für Aborigine-Küche. Daran schließt sich der Besuch des preisgekrönten Bunjilaka Aboriginal Cultural Centre im Melbourne Museum. Der Stadtrundgang endet am zentralen Federation Square, der auch wichtiger Versammlungsplatz für Victorias Ureinwohner war. Nach der Tour lohnt ein Blick ins Ian Potter Centre, mit mehr als 20.000 Exponaten eine der weltweit größten Aborigine-Kunstsammlungen. Der Eintritt ist frei. Um noch das Kulturzentrum des Koorie Heritage Trust zu besuchen, muss man nur den Platz überqueren.

Great Ocean Road: Tower Hill Naturreservat

In der Great Ocean Road-Region bei der Stadt Warrnambool liegt in einem erloschenen Vulkankrater das Tower Hill Naturreservat. Das Schutzgebiet ist von großer ökologischer und geologischer Bedeutung und ein Vorzeigeobjekt indigener Geschichte. Die hiesige Gemeinschaft der Worn Gundidj hat seit vielen Generationen eine enge Verbindung zu diesem Landstrich. Das Center beherbergt große Tafeln, die einen faszinierenden Einblick in die Geschichte und Kultur von Australiens Ureinwohnern vermitteln. Es ist zudem einer der wenigen Orte, an dem von Aborigines hergestellte Kunst- und Alltagsgegenstände verkauft werden. Man erfährt viel über traditionelle Aborigine-Kultur, Geologie und die Tierwelt. Besucher kommen den typischsten Vögeln und weiteren Tieren Australiens ganz nah, wie Emus, Koalas, Kängurus und Schnabeligeln.

Grampians: Brambuk-National Park & Cultural Centre

Australiens Naturvölker haben eine enge Beziehung zu den Grampians (bei den Aborigines Gariwerd genannt). Wandmalereien in Höhlen lassen auf eine rund 30.000 Jahre alte Geschichte der Aborigines in dieser Gegend schließen. Das Brambuk National Park & Cultural Centre ist der ideale Ort, um in Australiens Flora und Fauna sowie die Kultur der Ureinwohner einzutauchen. Nationalpark und Kulturzentrum gehören den Koorie und werden von ihnen geleitet. Es ist auch das am längsten bestehende Aborigine-Kulturzentrum Australiens. Seine Architektur, die mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde, interpretiert die Geschichten der örtlichen Aborigines. Die Kultur wird durch Multimedia-Shows, Kunstausstellungen und Vorträge erlebbar gemacht. Besucher können bei Didgeridoo-Konzerten und traditionellen Tanzaufführungen dabei sein. Ureinwohner führen vor, wie Kunstwerke entstehen, Körbe geflochten werden oder wie man einen Bumerang wirft. Auch in den Grampians selbst finden sich überall Spuren der Aborigines, wie zum Beispiel jahrtausendealte Felszeichnungen. Diese kann man am besten bei geführten Touren erkunden.

Hintergrund zu den Koorie in Victoria

In Australien gibt es mehr als 250 verschiedene Aborigine-Kulturen, die sich durch ihre jeeigenen Sprachen unterscheiden. Jede einzelne dieser indigenen Kulturen ist gegenüber den anderen einzigartig. Die Einzigartigkeit begründet sich durch die je andere Umgebung, an die sie sich anpassen mussten. Charakteristisch für Südost-Australien ist das kühlere Klima. So gibt es nur hier die aufwändig verzierten Umhänge aus Possumleder, die die lokalen Stämme gegen die Kälte trugen. Sie sind auch die einzigen, die statt Didgeridoo auf Possumleder-Trommeln spielten. Die unterschiedlichen Lebensbedingungen zeigen sich auch in der Herstellung von Webereien, Körben und Schilden, da die Bäume, aus denen sie gefertigt wurden, nur hier wachsen.

Auch die traditionelle Aborigine-Kunst Victorias unterscheidet sich sehr von der in anderen Teilen Australiens. Bei internationalen Besuchern sind besonders die aus Punkten gebildeten Malereien bekannt. Diese gibt es in Victoria nicht, sondern die Gestaltung basiert mehr auf Linien. Formen, die an Diamanten erinnern, sind zum Beispiel ganz typisch. Auch die Farben unterscheiden sich von denen der Wüstenvölker, da sie die andersartige Umgebung widerspiegeln. So gehört Orange weniger zur Palette, stattdessen finden sich das Blau des Himmels und des Meeres sowie das Weiß der Sandstrände. Die zeitgenössische Aborigine- Kunst Victorias ist nochmals anders. Heute kommen vermehrt andere Kunststile wie Schablonentechnik zum Einsatz, auch Installationen und Skulpturen sind beliebt.

Australiens Ureinwohner führen den Schöpfungsprozess auf die so genannte Traumzeit zurück. Die verschiedenen Stämme haben für den Beginn des Lebens jedoch unterschiedliche Überlieferungen. Die Koorie erzählen sich, dass der Geist Bunjil als spiritueller Erschaffer in der Erscheinung eines Keilschwanzadlers die ersten Menschen, Flüsse, Berge, Vögel und Bäume zum Leben erweckte.